Ist der Salary Cap ein Modell für die Bundesliga? Martin Kind in seiner Rolle als Geschäftsführer von Hannover 96 und Ewald Lienen als Direktor des FC St. Pauli haben die Gehaltsobergrenze für den deutschen Profifußball ins Gespräch gebracht. Grund ist die aktuelle Krise, welche nicht nur das Gesundheitssystem belastet. Auch der Profifußball muss sich in seiner aktuellen Form hinterfragen. Denn bei einigen Bundesligisten ist das Budget sehr eng gestrickt. Dies ist nötig, um in der Bundesliga mithalten zu können. Jetzt bleiben Fernsehgelder und Zuschauereinnahmen vorerst aus. Doch setzt sich eine massive Veränderung der Strukturen im Fußball, wie sie die Gehaltsobergrenze ist, wirklich durch?

Nicht nur die Durchsetzungsfähigkeit ist zu hinterfragen. Zuvorderst steht die Frage, ob der Salary Cap rechtlich überhaupt eine Chance hat. Denn sowohl die Arbeit, als auch der Wettbewerb sind gesetzlich geschützt. Doch einige Experten sind sich sicher, dass entsprechende Einschnitte möglich sind. Zumal hier anzufügen ist, dass diverse Praxisbeispiele aus England, Frankreich und den USA existieren. Grund genug für uns von Ostfußball, sich einmal mit den Aspekten der Gehaltsbegrenzung zu befassen.

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Vor- und Nachteile des Salary Cap für die Bundesliga

Einmal angenommen das wöchentliche Gehalt wäre auf 100.000 Euro je Profi beschränkt. Jetzt kickt bei der SSV Jahn Regensburg ein toller Spieler. Praktisch die gesamte 1. Bundesliga ist interessiert und hinterlegt ein Angebot. Normalerweise hätte jetzt der FC Bayern München die besten Karten. Denn sie haben sämtliche Trümpfe auf der Hand. Dort spielen schon die besten Spieler. Damit steigt die Chance auf Titel. Und nicht zuletzt: Es wird am besten gezahlt. Selbst wenn der Kicker Fan von Eintracht Frankfurt ist, wechselt er wahrscheinlicher eher zu den Bayern oder zum BVB. Denn gerade als junger Spieler lässt du dich schnell vom Geld verführen. Der Salary Cap würde beim Gehalt nach oben eine Schranke setzen. Eventuell läuft es also nicht auf ein Wettbieten beim Gehalt hinaus.

Bwin Bonus Banner 100 EuroDoch der Vorteil der Fairness könnte vom Nachteil im internationalen Wettbewerb locker überwogen werden. Denn angenommen Manchester City ist ebenfalls am Regensburger Talent interessiert und bietet das Vierfache an Grundgehalt, dann wechselt der Spieler schneller ins Ausland als die Bundesligisten gucken können. Somit würden die wirklich guten Akteure in die Ferne getrieben. Daher steht für uns fest: Wenn ein Salary Cap kommt, dann gehört er global eingeführt. Ansonsten wird sich dieses Konzept auch in der Bundesliga oder generell im deutschen Fußball – Fairness hin oder her – nicht durchsetzen. Zumindest europaweit müsste die Gehaltsobergrenze also greifen.

Kann die Gehaltsobergrenze Hürden überwinden?

Es gibt mehr als nur einen Hemmschuh für die Gehaltsobergrenze. Fraglich ist, ob die Spitzenklubs daran wirklich Interesse haben. Wenn Paris St. Germain einen Neymar für insgesamt über 220 Millionen Euro verpflichtet, um sich einen Vorteil vor der Konkurrenz zu sichern, ist dies durchaus fraglich. Wenngleich die aktuellen Spitzenclubs aus den bislang gewachsenen Strukturen und mit ihren Sponsoren, sowie den bereits erreichten Erfolgen, auch mit Salary Cap noch genügend Argumente für eine Spielerverpflichtung hätten. Auch die aus Titeln gewachsene Fanbasis ist hier als Pluspunkt anzuführen.

Ob die Spieler selber ein gesteigertes Interesse daran haben, ist natürlich ebenfalls zu bezweifeln. Denn natürlich freut sich jeder Arbeitnehmer über einen möglichst hohen Verdienst. Ob als Müllmann oder als Profifußballer, je höher das Gehalt, desto besser. Die Auffassung von Uwe Seeler – „Mehr als ein Schnitzel pro Tag kann ich nicht essen“ – hat sich hier über die Jahrzehnte eher nicht durchgesetzt. Zudem haben es Neuerungen im Fußball schwer. Bestes Beispiel ist der Videobeweis. Wenngleich dieser sicher noch nicht optimal eingesetzt ist, so sorgt er insgesamt für mehr Fairness im Fußball. Große Teile der Fans fühlen sich aber um das ursprüngliche Spielgefühl betrogen. Die Akzeptanz beim Salary Cap könnte jedoch höher sein. Denn die Wahnsinnsgehälter der Profis sind halt weit von der Lebensrealität des typischen Fußballfans entfernt.

Ein weiteres Schlupfloch sind Handgelder und Co. Denn natürlich kann ein Spieler über sein Gehalt hinaus für Einsätze oder generell für den Wechsel belohnt werden. Dies müsste bei der Ausgestaltung einer Gehaltsgrenze irgendwie berücksichtig sein.

Wie funktioniert der Salary Cap?

Natürlich wäre die Ausgestaltung Sache der Verbände. Wir spicken dennoch mal kurz bei den amerikanischen Profiligen. Dort stehen die Spieler natürlich wegen des Franchise Systems direkt bei der Liga unter Vertrag. Die Besitzer der Klubs und die Spielergewerkschaft ermitteln letztlich anhand der Umsätze des letzten Jahres den Salary Cap. Damit ist gewährleistet, dass sich die Gehaltsgrenze immer der aktuellen Situation anpasst. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht alle Spieler das gleiche Gehalt beziehen müssen. Es gibt jedoch eine Obergrenze und sogar eine Untergrenze – den Salary Floor.

Hintergedanke ist die Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der Teams. Obendrein sollen sich die Clubbesitzer nicht selber am System über die Maße bereichern können. Das Modell der US-Ligen ist für Europa ohne Frage nur bedingt geeignet. Doch es führt vor Augen, dass eine Umsetzung – angepasst an europäisches Recht – generell möglich ist.

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Salary Cap: Kommt die Gehaltsobergrenze in der Bundesliga?
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