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Schlagwort: Ultras Halle

Fanprojekt Halle: Stellungnahme der aktiven Fanszene

HFC-Fans kein Vertrauen mehr zur Stadt Halle

Wir dokumentieren die Stellungnahme:

(…) Wir begrüßen die Entscheidung des DFB sehr, die Förderung unter städtischer Trägerschaft zu verwehren, und stattdessen einen freien Träger für den Wiederaufbau zu suchen. Das Vertrauen zwischen Stadt und HFC-Fans war und ist durch die Art und Weise der Absetzung des Fanprojektleiters und dem daraufhin seitens der Stadt verwehrten Dialog unwiederbringlich zerstört. Für eine gut funktionierende soziale Jugendfanarbeit ist jedoch das Vertrauen und der Dialog auf Augenhöhe der wichtigste Baustein. Leider hat man im Rathaus bis heute nicht verstanden, was Fanprojektarbeit bedeutet. Dies untermauerte die Aussage von Herrn Paulsen: „Es ist bedauerlich, dass der Boykott gerade von denjenigen Fans ausgeht, die nicht Zielgruppe des Projektes sind.“

Es bleibt die erschreckende Erkenntnis, wie der Oberbürgermeister als Einzelperson die gut funktionierende Fansozialarbeit von 10 Jahren per Handstreich zerstören konnte. Es zeigt aber auch, wie wichtig es ist, das Fanprojekt einem freien Träger zu übergeben, um politische Machtspiele in diesem Bereich zu vermeiden.

Wir hoffen, dass der DFB gemeinsam mit den anderen Fördermittelgebern und unter Einbindung der Fanszene einen freien Träger findet, um die ausgezeichnete Arbeit des Fanprojektes in Halle fortzuführen. Wir hoffen auch, dass die Mitarbeiter des alten Fanprojektes dem neuen Fanprojekt positiv gegenüber stehen und bedanken uns abermals für die jahrelange gute Zusammenarbeit.

HFC-FANKURVENRAT
HFC-Fanszene e.V.
Saalefront-Ultras (…) [fankurvenrat]

Geht es auch ohne Ultras?

Ohne Ultras im Stadion

Die Ultrabewegung hat in Deutschland längst ihren Zenit überschritten. Noch schlimmer – die Subkultur, welche einst die Hooligans in den neunziger Jahren ablöste, steht nun selber vor ihrem Ende. So sind sie zwar in den Kurven immer noch präsent, aber mittlerweile sind sie austauschbar wie ein schmutziges Trikot ihrer Fußballhelden auf dem Platz. Das eigentliche Ziel – den Einzug des Kommerz im deutschen Fußball zu verhindern, konnte lediglich als Aufschub, sozusagen Teilergebnis, verbucht werden. 

ultras

So wurde beispielsweise zum Boykott des Spiels Red Bull Leipzig gegen Borussia Dortmund aufgerufen, was jedoch auf den Kartenverkauf im Gästeblock der “Leipziger Schüssel” keinen Einfluss ausübte. Innerhalb kürzester Zeit war dieser dennoch mit über 4000 Gästekarten vergriffen. Zwar nun ohne Ultras, aber trotzdem voll mit BVB-Fans. Die Stimmung kann man nur vermuten, wird dann ähnlich wie bei den DFB-Länderspielen sein. Dort wo längst die letzten Hools oder Ultrafans verbannt wurde, herrscht feuchtkaltes Fluidum oder eine aufgesetzte Atmosphäre bei den gekünstelten Laolas und bereitgelegten Sponsor-pappen zum Klatschen. Selbst aufwendige Choreos werden so von den Vereinen nun selbst übernommen. Kritische Banner oder Spruchbänder gegen Vereine und Verbände werden so deutlich dezimiert.

Und es gibt genügend Anhänger, welche gerne auf Ultras verzichten können und die modernen Arenen füllen. Es ist ein seit Jahren hochgezüchtetes steriles Publikum, dem es völlig egal ist, was hinter den Kulissen passiert. Einzig wichtig ist nur, sich einfach berieseln zu lassen und das großartige Event in vollen Zügen zu genießen. Diese Brot & Spiele sollen die Menschen begeistern und von ihren Alltagssorgen ablenken – gleichzeitig aber auch die Produktempfehlung der dahinterstehenden Wirtschaft  zu etablieren. Und so wurde längst eine Matrix installiert, um die Gewinnmaximierung des Fußballgeschäft weiter voran zu treiben. Utopische Spielergehälter, Millionen Transfers, horrende Ausgaben für Trainer und Funktionäre haben einen Filz entstehen lassen, der selbst in führenden Positionen eklatante Auswüchse entstehen lassen hat. Echte Kritikpunkte  erzeugen solche Meldungen allerdings längst nicht mehr – woher das Geld kommt spielt keine Rolle, Hauptsache es rollt, so Theo Zwanziger einst zum Engagement der Schalker mit Gazprom.

Auch die ständig steigenden Ticketpreise werden immer weiter von den Besuchern akzeptiert und auch durch die Verbände gefördert. So steigen nämlich nicht nur die Einnahmen in den Stadien, nein der gemeine Zuschauer wird förmlich dazu aufgefordert, zukünftig für vergleichsweise schlappe 20 Euro im Monat die Bundesliga via Pay TV zu schauen. In der 1. Bundesliga sind 100,- Euro für einen Sitzplatz indes im Stadion keine Seltenheit. Da lebt es sich doch als Couchpotato deutlich besser auf dem heimischen Sofa inkl. Bier für 50 Cent die Flasche, statt 5 Euro an den zügellosen Catering-stellen hinter den sterilen Betonblöcken lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Und sind die Stadien irgendwann zu teuer, spielt man eben vor leeren Rängen und ersetzt dann die fehlenden Sprechchöre durch Support-Aufzeichnungen längst vergangener Tage.

Ja es geht auch ohne Ultras, vielleicht etwas anders als gewohnt, aber eben immer noch Fußball. Doch die gute Nachricht zuletzt – echte Nostalgiker finden immer noch “Old School Fußball” in den Nachwuchsteams oder Amateurligen.

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