RB Leipzig hat sich auf Anhieb nach seinem Aufstieg in die Fußball Bundesliga zum Bayern-Jäger Nr. 1 etabliert. Die wenigsten Fans und Experten hätten damit gerechnet, dass die Roten Bullen diese Rolle so schnell einnehmen würden. In der vergangenen Saison sicherte man sich die Vizemeisterschaft hinter den Bayern, hatte jedoch 15 Punkte Rückstand. Auch in dieser Saison ist man direkt hinter den Bayern, droht jedoch, erneut den Anschluss auf den Rekordmeister zu verlieren. Was fehlt RB Leipzig zum Gewinn der deutschen Meisterschaft? Mit dieser Frage haben wir uns etwas näher beschäftigt.

Für viele Fans und Experten war es nur eine Frage der Zeit, bis RB Leipzig sich in der 1. Bundesliga etablieren wird. Dass die Leipziger jedoch so schnell im oberen Tabellendrittel mitmischen werden, hat sicherlich auch den einen oder anderen RB-Fan überrascht. Es gab bisher noch keinen einzigen Verein in der Geschichte der Bundesliga, der sich in seiner Debütsaison die Vizemeisterschaft sichern konnte.

Trainingszentrum RB Leipzig
By Hennez (Own work) [CC BY-SA 3.0 de, CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Auch in der laufenden Saison ist RB wieder “auf Kurs” und hat sich als Bayern-Jäger Nr. 1 entpuppt. Das Team von Ralph Hasenhüttl wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf einem CL-Platz überwintern und wenn alles nach Plan läuft in der kommenden Saison, erneut in der Königsklasse spielen. Während man dem BVB bereits als Nr. 2 entthront hat, wird es wohl noch ein wenig länger dauern, bis man den Rückstand auf den FC Bayern wettgemacht hat. Die Münchner sind nach wie vor auf einem ganz anderen Niveau und dominieren die Bundesliga nach Belieben.

RB Leipzig fehlt es noch an der nötigen Balance

Als Leipzig in der Saison 2016/17 sein Debüt in der Fußball Bundesliga feierte, war allen bewusst, dass der Ostverein sich nicht als “klassischer” Aufsteiger präsentieren wird und sich ausschließlich auf die eigene Defensive konzentriert. RB Leipzig hat von Anfang an mit schnellem, aggressivem Tempofußball überzeugt. Mit 66 Toren hat man hinter den Bayern (89) und Borussia Dortmund (72) die drittmeisten Tore in der abgelaufenen Saison erzielt. Das Motto “Angriff ist die beste Verteidigung” ist dabei voll aufgegangen.

Auch in der aktuellen Spielzeit hat man bereits 25 Tore erzielt und gehört damit erneut zu den offensivstärksten Teams der Bundesliga. Die Roten Bullen sind zudem nach wie vor ein Meisterschaftskandidat. Der RB erhält (Stand 13. Dezember) eine Meisterquote von 21 und liegt damit vor dem BVB und dem FC Schalke 04.

Leipzig fehlt es jedoch noch an der nötigen Balance im eigenem Spiel, vor allem bei Spielen in der heimischen Red Bull Arena. Im US-amerikanischen Basketball gibt es ein prägendes Sprichwort “Offense wins Games, Defense wins Championships”, was so viel heißt wie “Mit der Offensive gewinnt man Spiele, mit der Defensive Meisterschaften”. Genau dieses Leitmotiv trifft faktisch auch auf den Fußball zu. Es reicht nicht nur aus, offensiv Woche für Woche alles zu geben, auch die Defensive muss auf einem hohen Niveau agieren. Leipzig ist bekannt für sein schnelles Umschaltspiel, aber auch in der Rückwärtsbewegung muss man mit der gleichen Intensität agieren.

RB-Coach Ralph Hasenhüttl hat nach dem vorzeitigen Aus in der UEFA Champions League offen zugegeben, dass seine Mannschaft in dem einen oder anderen Spiel zu blauäugig war und nicht taktisch bzw. strategisch genug gespielt hat. Im kommenden Jahr hat man jedoch die Chance es in der UEFA Europa League besser zu machen. Genau dieses strategische Spiel beherrscht der FC Bayern nahezu perfekt. Die Bayern wissen ganz genau gegen welche Gegner sie mit wie viel Intensität auftreten müssen ohne sich dabei übermäßig zu verausgaben.

Mit der Zeit kommt auch die Erfahrung

Ein weiterer Aspekt, der sehr stark mit der Spiel-Balance verbunden ist, ist die mangelnde Erfahrung der Leipziger. Auch wenn man auf Anhieb in der Liga mithalten kann, ist es dennoch erst die zweite Saison im deutschen Oberhaus. Zudem ist RB mit einem Altersschnitt von 24,5 Jahren die jüngste Mannschaft der Liga. Viele Spieler haben in Leipzig den großen Durchbruch geschafft und verfügen nicht über die nötigen Erfahrungen, die man benötigt, um insbesondere in engen Spielen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Erfahrung lässt sich grundsätzlich auch “einkaufen”, z.B. in Form von gestandenen Profis. Doch genau diesen Weg möchte Leipzig nicht gehen, sich fertige Stars für viel Geld zu kaufen. Man möchte eigene junge Spieler wie Timo Werner aufbauen, und mit diesen Erfolge feiern. Dies hat jedoch zur Konsequenz, dass man möglicherweise in den kommenden 2-3 Jahren wohl nicht in der Lage sein wird, den FC Bayern vom Thron in der Fußball Bundesliga zu stürzen.