Hooligans – Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik

Unter diesem Namen hat Robert Claus aktuell ein Buch veröffentlicht. Das Neue Deutschland hat mit ihm darüber gesprochen:

(…) In Sachsen gibt es mit Dresden, Leipzig, Chemnitz und Aue gleich mehrere größere Szenen. Gibt es Besonderheiten bei dortigen Hools?
Ja. Die Szene ist im Vergleich zu anderen Regionen sehr politisch. Und zwar in der Mehrheit rechtsextrem. Da existieren sehr große Schnittmengen zwischen Hooligans und Neonazis, wogegen Rechte an anderen Standorten manchmal nur eine Strömung innerhalb der Gruppen sind. Mit Chemie Leipzig gibt es allerdings auch einen Klub mit einer linken Hooliganszene.

Welche Gruppen haben die Entwicklung in Sachsen geprägt?
Gruppen wie HooNaRa (kurz für Hooligans Nazis Rassisten – d. Red.) aus Chemnitz in den 2000er Jahren, Hooligans Elbflorenz sowie Faust des Ostens in Dresden und Scenario Lok in Leipzig waren prägend. Sie sind jedoch offiziell nicht mehr aktiv. Dahinter stehen zum Teil taktische Erwägungen, um einer Strafverfolgung zu entgehen, andere sind wirklich aufgelöst. In den Fankurven sind einige ehemalige Mitglieder als Einzelpersonen immer noch anzutreffen. Jüngere Hooligangruppen sind zudem dazu übergegangen, eher ohne Namen und Zaunfahne im Stadion oder gar eine Homepage zu agieren, um der Strafverfolgung zu entgehen (…) [nd.de]

Bundesarchiv Bild 183-1990-0414-009, FDGB-Pokal, 1. FC Lok Leipzig - Dynamo Schwerin, Ausschreitungen
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0414-009 / Pätzold, Ralf / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Nun gut – aktuell sieht schon etwas anders aus. Hoonara aus Chemnitz hatte seine beste Zeit schon in den neunziger Jahren.  Und auch die anderen hier erwähnten Gruppen sind doch alle längst Geschichte und unter dem Synonym Mythos zu finden. Überhaupt ist es auch im Osten der Republik seit vielen Jahren merklich ruhiger in den Stadien geworden. Wenn es Meldungen gibt, dann doch wohl eher hauptsächlich vom Pyro-zünden in den Ultra-Kurven, wo kaum jemand dabei bisher verletzt wurde. Zuletzt hatte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sogar die Aufhebung des Verbots von Pyrotechnik in deutschen Fußball-Stadien ins Gespräch gebracht. Also – alles in allem kommt so ein Hooligan Buch zirka 15-20 Jahre zu spät!